AmbiguitätstoleranzAmbiguitätstoleranz beschreibt die Fähigkeit, mehrdeutige, widersprüchliche oder unklare Situationen auszuhalten, ohne in vorschnelle Bewertungen zu verfallen. Besonders wichtig in moralischen Konflikten oder Sinnkrisen.
AuthentizitätAuthentizität bedeutet, sich selbst treu zu sein. Es heißt, eigene Werte und Gefühle ernst zu nehmen und sie im Handeln sichtbar werden zu lassen.
AutonomieAutonomie ist die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und unabhängigem Handeln. Sie bildet die Grundlage für Würde und moralische Verantwortung.
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DARVODARVO steht für Deny, Attack, Reverse Victim and Offender: Leugnen, Attackieren, Täter-Opfer-Umkehr. Eine typische Strategie von Täter*innen, um Schuld abzuwehren. Häufig in toxischen oder von narzisstischem Missbrauch geprägten Beziehungskonstellationen zu beobachten.
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Emotionaler MissbrauchSystematische Abwertung, Kontrolle oder Schuldzuweisung, die das emotionale Gleichgewicht des Gegenübers untergräbt. Oft subtil und schwer erkennbar.
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FawningFawning ist eine Überanpassung zur Konfliktvermeidung. Eine Schutzreaktion bei emotionalem Missbrauch, die eigene Bedürfnisse unterdrückt. Oft eine Traumareaktion, wenn Kampf, Flucht oder Erstarren nicht mehr funktionieren. Auch Bambi- oder Rehkitzreaktion genannt.
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GaslightingManipulationstechnik, die dazu führt, dass das Opfer an der eigenen Wahrnehmung zweifelt. Erzeugt emotionale Abhängigkeit. Eine Form von emotionalem Missbrauch und psychischer Gewalt. Oft in narzisstisch missbrauchenden oder toxischen Beziehungskonstellationen anzutreffen. Eine der Red Flags - der Warnzeichen, die andeuten, dass eine Beziehung missbräuchlich sein könnte.
Geistlicher MissbrauchGeistlicher Missbrauch ist der missbräuchliche Einsatz religiöser Autorität, Lehre oder Rituale zur Kontrolle von Menschen. Er nutzt Schuld, Angst, Scham oder „Gehorsam“, um Autonomie, Gewissen und Grenzen zu untergraben; erzwingt Anpassung, sanktioniert Abweichung und droht mit göttlicher Strafe; Folgen sind seelische, soziale und spirituelle Schäden. Häufig in religiösen Gemeinschaften.
Gesunde SchamEin sozialer Affekt, der aufzeigt, wenn Grenzen überschritten wurden. Im Unterschied zur toxischen Scham bleibt sie konstruktiv.
GewissenInnere moralische Instanz, die zwischen richtig und falsch unterscheidet. Entsteht durch Sozialisation und reflektierte Selbstentwicklung.
GlaubeGlaube bezeichnet das Vertrauen in eine Wirklichkeit oder Wahrheit, die über das Sichtbare hinausgeht. Er verbindet Erfahrung, Sinnsuche und Beziehung – sei es zu Gott, zum Leben oder zu einem existenziellen Prinzip. In der Psychologie gilt Glaube als Ressource für Bewältigung und Hoffnung, in der Theologie als Antwort des Menschen auf göttliche Offenbarung. Nach spirituellem Missbrauch oder Verlust kann Glaube...
GrenzenGrenzen schützen die eigene Integrität. Sie zeigen an, wo das eigene Selbst endet und das der anderen beginnt.
i
IntegritätStimmigkeit von Denken, Fühlen, Reden und Handeln. Voraussetzung für ein kohärentes Selbstbild und moralisches Verhalten.
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KohärenzgefühlGefühl von Stimmigkeit, Verständlichkeit und Handhabbarkeit der Welt. Grundlage für psychische Resilienz. Begriff aus der Salutogenese.
Kontrollierende BeziehungsmusterStrukturen in Beziehungen, die von Macht, Manipulation oder Abhängigkeit geprägt sind. Untergraben Selbstachtung und Würde.
KontrollverlustDas Erleben, keine Kontrolle über eigenes Leben oder Situation zu haben. Tritt oft in Missbrauchsdynamiken oder im Zusammenhang mit Traumata auf.
m
Moralische UrteilsfähigkeitFähigkeit, in komplexen Situationen wertebasiert zu entscheiden. Verbindet Gewissen, Erfahrung und Reflexion.
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NarrativBedeutungsvolle Erklärungsmuster, mit denen Menschen ihre Biografie strukturieren. Schafft Ordnung und Kohärenzgefühl und ist wirksam gegen Schuld- und Schamgefühle. Die Annahme biografischer Ereignisse und deren Einordnung in das Selbstbild ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Integrität einer Persönlichkeit.
r
ResilienzPsychische Widerstandskraft, die aus Sinn, Bindung, Selbstwirksamkeit, Zugriff auf eigene Ressourcen, innerer Haltung und Kohärenzgefühl erwächst.
s
SchamEin sozialer Affekt, der mit dem Gefühl der Entwertung der eigenen Person einhergehen kann. Reguliert soziales Verhalten, sofern es sich um gesunde Scham handelt. Toxische Scham zerstört den Selbstwert.
Scham-SpiraleTeufelskreis aus Scham, Rückzug und weiterer Selbstabwertung. Kann durch Selbstmitgefühl unterbrochen werden.
SchuldMoralische Verantwortung für ein konkretes Fehlverhalten. Unterschied zur Scham: Schuld richtet sich auf Handlung, nicht auf die Person oder das Selbst. Es ist tatsächliche Schuld von übernommenen oder induzierten Schuldgefühlen zu unterscheiden.
SchuldgefühleSubjektives Erleben von Schuld. Können berechtigt sein oder durch Schuldprojektion oder Fehleinschätzung der Situation hervorgerufen werden. Auch als psychischer Schutz vor dem Erleben von Scham und Ohnmacht kompensatorisch dienend.
SchuldprojektionPsychischer, oft unbewusster Mechanismus, bei dem eigene Schuldgefühle anderen übertragen werden. Dient der psychischen Entlastung der projizierenden Person, belastet jedoch die betroffenen Menschen und ihre Beziehungen.
SelbstachtungRealistische Wertschätzung der eigenen Person. Grundlage für gesunde Grenzen und würdevolles Handeln.
SelbstentfremdungZustand, in dem eigenes Handeln nicht mehr zu inneren Werten passt. Führt zu Identitätsverlust. Kann durch Moralische Verletzung (Moral Injury) hervorgerufen werden oder mit dieser einhergehen.
SelbstmitgefühlFreundlicher, akzeptierender Umgang mit dem eigenen Scheitern und Fehlern. Schützt vor toxischer Scham. Literaturhinweis: Neff, K. (2011). Self-Compassion.
SelbstverantwortungFähigkeit, das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu gestalten und zu vertreten. Erfordert Autonomie. Literaturhinweis: Frankl, V. E. (1985). Man’s Search for Meaning.
SelbstvergebungAnerkennen, Lernen und Loslassen eigener Fehler. Führt nicht zur Verdrängung vergangenen Scheiterns, Fehlern oder Schuld, sondern zu deren Integration in das eigene biografische Narrativ. Unterstützt das Selbstmitgefühl und fördert die Integrität einer Persönlichkeit und deren seelische Reifung. Quelle: Enright, R. D. (2012). The Forgiving Life.
SelbstwirksamkeitGlaube an die eigene Handlungskompetenz. Wichtige Ressource bei seelischen Belastungen als Gegenkonzept zu Glaubenssätzen und Selbstbildern, die zu Ohnmacht und Angst führen. Literaturhinweis: Bandura, A. (1997). Self-Efficacy.
SinnSinn bezeichnet die subjektiv erlebte Bedeutsamkeit, Zielgerichtetheit und Stimmigkeit des eigenen Lebens. Er entsteht dort, wo Erfahrungen, Werte und Handlungen als innerlich zusammengehörig erlebt werden. Sinn vermittelt Kohärenz – das Gefühl, dass das Leben verstehbar und geordnet ist –, sowie Ziel und Richtung, indem das eigene Tun als wirksam und nützlich erfahren wird. Ebenso umfasst Sinn die Dimension der Bedeutsamkeit: das...
SinnkriseVerlust von Sinnzusammenhang. Krisenerleben, das aber auch eine Chance zur Neuorientierung beinhaltet. Literaturhinweis: Längle, A. (2004). Existenzanalyse.
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Toxische SchamTiefe, chronische Selbstabwertung. Vernichtendes Gefühl von Scham. Blockiert die persönliche Entwicklung und kann zu schweren Beziehungsstörungen führen. Oft Symptom oder auch Ursache psychischer Erkrankungen. Literaturhinweis: Nathanson, D. L. (1992). Shame and Pride.
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WertWert bezeichnet die Bedeutung oder Wichtigkeit, die Menschen Dingen, Handlungen oder Haltungen beimessen. Werte geben Orientierung, leiten Entscheidungen und prägen Identität, Beziehungen und Kultur. Sie wirken sowohl individuell – etwa in Form persönlicher Überzeugungen – als auch kollektiv in Familien, Organisationen oder Religionen. Werte bilden den Maßstab, nach dem Menschen ihr Leben als stimmig oder sinnvoll erleben. Sie stehen in...